Die „afrikanische“ Masche, wie mich ein Verkauf auf Ebay fast 1500,00 € gekostet hätte

Gepostet am Aktualisiert am

Eine kuriose Geschichte die mir da auf der online Plattform Ebay widerfahren ist. Glücklicherweise habe ich einen kühlen Kopf bewahrt und bin nicht auf den versuchten Betrug hereingefallen. Die sogenannte „afrikanische Methode“ ist eine sehr perfide Möglichkeit dem Verkäufer den doppelten Wert des angebotenen Produktes aus der Tasche zu gaunern.

Gerade habe ich noch darüber gebloggt wie wichtig es ist auf Datenschutz bei elektronischen Geräten zu achten und schon komme ich mit der nächsten Geschichte, vollgepackt mit krimineller Energie, um die Ecke. Vielleicht sensibilisiert dieser Beitrag den einen oder anderen genauer darauf zu achten was da beim Verkauf passiert und wer da mit mir in Kontakt tritt.

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Wie eingangs schon erwähnt hat es mich als VERkäufer bei Ebay erwischt. Da ich mir das neue iPhone 6s gegönnt habe wollte ich mein altes iPhone 6 Plus verkaufen. Erster Versuch: Ebay Kleinanzeigen, es hagelte Anfragen in folgender Art:

Nachricht

Nach unzähligen solcher Nachrichten habe ich mich dazu entschlossen das iPhone direkt bei Ebay zu verkaufen. Das iPhone hat noch ein Jahr Apple Care und ist gerade erst ausgetauscht worden. Der zukünftige Käufer bekommt wirklich ein gutes Gerät. Während sich die Bieter also gegenseitig weiter und weiter nach oben schaukeln kommt plötzlich eine Käuferin und nimmt, sehr zu meiner Überraschung, die Option das Gerät als Sofortkauf zu haben an. Katsching! 650 Euro reicher. Denkste. Denn Frau B. mit einem deutschen Nachnamen hat eine Adresse in UK. Schon jetzt wurde es seltsam, denn ich habe das Gerät nicht für internationale Käufer freigegeben, wie konnte die gute Frau also überhaupt bieten bzw. kaufen.

Anfrage

Bolle

Frau B. hat sich im Anschluss an den Kauf gleich bei mir gemeldet und mich gebeten die Kosten für den Versand sowie meine Rechnungsdaten mitzuteilen. Okay, machen wir hier eine kurze Pause. Jeder Verkäufer sollte nun das erste mal misstrauisch werden. Zum einen hat die Dame das Smartphone bereits gekauft, teilt aber in der Nachricht mit, dass sie an einem Kauf interessiert ist und zusätzlich spricht sie mich nicht mit meinem Namen an. Außerdem ist „mfg“ nicht unbedingt eine englische Grußformel.

Nachdem ich der Dame meine Email Adresse sowie die Kosten für den voraussichtlichen Versandt nach England mitgeteilt habe bekam ich folgende Nachricht:

Bolle

Nun sollten bei jedem Verkäufer sämtliche Alarmglocken läuten. Erst UK und nun Südafrika. Ist die Tochter spontan ausgezogen oder handelt es sich um eine fixe Adoption? Jedenfalls ist dies kein seriöses vorgehen seitens eines Käufers bei Ebay. Die bei Ebay angegebene Adresse gilt. Fertig aus.

Kurze Zeit später bekam ich eine zweite unabhängige Email von einem vermeintlich seriösen Absender. „PayPal“ bittet mich die Tracking Nummer anzugeben damit das bereits verfügbare Geld auf meinen PayPal Account gebucht werden kann. Das Verfahren tracking Nummer gegen Geld wird schon seit einigen Jahren nicht mehr durchgeführt. Außerdem ist der Absender nicht PayPal sondern paypsecure@in.com und das ist definitiv keine offizielle PayPal Adresse. Zusätzlich stellt sich die Frage wie PayPal denn die tracking Nummer der Transaktion zuordnen wollen würde. Wenn jeder einfach seine Daten an diese Adresse schickt endet das in einem bürokratischen Alptraum.

Bolle

Es wird immer kurioser aber was solls, spielen wir diese Scharade einfach mit und schauen was passiert. Also habe ich kurzerhand zwei weitere Emails aufgesetzt. Eine Email ging an Frau B. mit der bitte mir weitere 100,00 € für den Versand nach Afrika zu überweisen. Die andere Email ging an diese seltsame Paypsecure Adresse mit der bitte zu Überprüfen ob Frau B. ein seriöser Käufer ist und ob ich mir des Geldes sicher sein kann.

Frau B. akzeptierte die Forderung nach mehr Geld umgehend und erklärte das der Betrag bereits via PayPal angewiesen wurde. Wichtig aber schien ihr das ich das Paket mit DHL versende. DHL teilt dem Versender nämlich eine Tracking Nummer zu, welche für diese Masche sehr wichtig ist. Außerdem teilte sie mir mit das sie die volle Verantwortung für die Lieferung übernehme.

Bolle

Auch der Vermeintliche Pay… was auch immer Service kontaktierte mich recht zügig und teilte mir mit das es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Frau B. hätte bereits gezahlt und es handele sich um eine reine Formsache. Sobald ich die tracking Nummer bekannt gebe wird das Geld auf meinem Account gutgeschrieben.

Paypal

Nun habe ich seit einigen Tagen nicht mehr reagiert. Weder FaykePal noch Frau B. haben sich bisher gemeldet. Wäre ich auf die Masche hereingefallen hätte mich folgendes erwartet.

Ich hätte das Paket nach Südafrika, weit weg jeglicher Zuständigkeit der deutschen Behörden, geschickt und die Tracking Nummer an die vermeintliche Pay… Adresse gegeben. Daraufhin würde Frau B., oder wer immer sich hinter diesem Namen versteckt, das Smartphone erhalten. Auf eine Gutschrift bei meinem PayPal Accout hätte ich aber lange warten können. Nun würde sich Frau B. mit der tracking Nummer an das echte PayPal wenden, behaupten das mein Paket nie angekommen ist und das Geld zurück fordern. Schließlich hat sie ja bezahlt und das könnte sie auch mit der tracking Nummer beweisen. Frau B. hätte nun also das iPhone (650,00 €) und würde außerdem den Betrag von 650,00 €, abgebucht von meinem PayPal Konto erhalten. Damit hätte sie mir 1500,00 € abgeknöpft. Niemand, weder PayPal, noch Ebay, noch die deutsche Polizei könnten mir helfen mein Geld oder das iPhone zurück zu erhalten da die Person Claudia B. nicht existiert. Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden Opfer der „afrikanischen“ Masche.

Am liebsten wäre ich meinem ersten Impuls gefolgt und hätte beiden Adressen eine nette kleine Email mit einem Anhang namens trackingnumber.exe, made in Russia, geschickt. Ich habe das iPhone aber natürlich nicht nach Afrika geschickt. Außerdem habe ich jeglichen Kontakt zu den beiden Adressen abgebrochen. Ein kurzer Anruf bei PayPal und bei Ebay bestätigte mir das die Unternehmen rechtlich nichts gegen die Parteien unternehmen können. Ebay hat den Benutzer bisher nicht gesperrt. (Update vom 26. Oktober, mittlerweile wurde der Entsprechende Account von Ebay gesperrt, das ging schneller als ich erwartet hätte). Außerdem habe ich eine Anleitung erhalten wie ich Benutzer zukünftig blockieren kann. PayPal sind leider die Hände gebunden. Das iPhone liegt nun 10 weitere Tage bei mir rum bis ich es erneut verkaufen kann. Die Transaktion mit Frau B. wurde seitens Ebay recht schnell und unkompliziert abgebrochen. Immerhin.

Ich habe daraus gelernt das ich auch bei Ebay genau hinschaue wer meine Ware kauft, bzw. von wem ich Ware kaufe. Auch vermeintlich sichere Emails sollte man kritisch beäugen. Das Ebay gegen diese Betrüger nichts unternehmen kann ist ein Skandal für den ich aber auch keine entsprechende Lösung parat habe. Das Internet ist voll von Betrügern und Scharlatanen die weder vor mir noch vor großen Plattformen wie Ebay halt machen. Ich hoffe eines Tages geraten diese Menschen an den richtigen und bekommen den Arsch weg prozessiert.
Ebay Sicherheitsteam

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Ein Kommentar zu „Die „afrikanische“ Masche, wie mich ein Verkauf auf Ebay fast 1500,00 € gekostet hätte

    knaller3000 sagte:
    15. Dezember 2016 um 0:33

    Die sind immer noch aktiv. Ich bekam die selbe anfrage… Ich hoffe der öffnet meine excel datei ;-X

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